Let’s not blow things out of proportion!
8. September 2008 von SLoganEigentlich ist es ja schon was spät, meinen Senf zum aktuellen Batman-Film zu geben, aber andererseits will man den Text nicht wegschmeißen, nur weil er schon eine Woche auf der Platte herumliegt. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Streifen noch ein Weilchen läuft und ich ihn noch mal schaue.
Ja, er ist großartig, er ist perfekt, er ist diabolisch – Heath Ledger als Joker ist eine cineastische Perle. Aber bitte keine Vergleiche zu Jack Nicholson! Die Rolle ist einfach genauso verschieden von der Rolle vor 20 Jahren, wie es der ganze Film ist. Batman war ein Comic, Jack Nicholson hat eine Comicfigur gespielt, doch Dark Knight ist ein Actionfilm, in dem Heath Ledger den Gangster spielt. Und nachdem ich mich nun darüber echauffiert habe, dass alle Welt den alten Joker schlecht macht, möchte ich durchaus anerkennen, dass es dem alten Kuckucksnestflieger niemals gelungen wäre an den Ritter heranzukommen in der Szene, als er im Schwesternkostüm die Klinik sprengt.
Doch zur Sache: The Dark Knight ist lang, verdammt lang, sogar mit Pause, doch während das für mich immer heißt, skeptisch zu sein und mit Längen zu rechnen, fällt es hier nicht auf. Der Film hat Tempo, Tempo, Tempo und ist von den Figuren her dicht genug besetzt um keinerlei Lücken entstehen zu lassen. Das Rezept des Films lautet einfach Eskalation! Chris Nolan hat sich spätestens mit diesem Film in die Reihe der ganz großen Actionvirtuosen eingereiht. Deren größter macht ja leider keine Filme mehr. Wer hat eigentlich T4 in Szene gesetzt?
Der Humor kommt auch nicht zu kurz, ob absichtlich oder unfreiwillig, es sind Lacher dabei und die hat nicht nur der Joker auf seiner Seite. Na gut, die besten dann schon. Warum hat das Speederbike von Batman eigentlich Reifen? Auf Endor sah das deutlich Eleganter aus als in Gotham. Aber lieber gut geklaut als schlecht ausgedacht. Etwas schwach kommt vielleicht die Geschichte um Harvey Dent daher, aber mal ehrlich, achtet da jemand drauf? Der Plot überbrückt doch nur die Zeit, in der man sich noch über die Eskapaden des Jokers freut.
Bleibt für den Zuschauer noch die spannende Frage, kriegt er ihn? Also posthum? Den Oscar? Die Academy tut sich ja oft schwer mit Schauspielern in kommerziell allzu erfolgreichen Filmen. So wie sie Star Wars einst den Preis für den besten Film verweigert hat, wird sie auch diesmal eine Alternative finden. Aber was soll’s die Fans haben ihre Meinung doch sehr deutlich kundgetan.
Also, unterm Strich gibt es perfekte Action, aber wie ich schon bei der Auseinandersetzung der beiden Joker festhielt, zu wenig Comic. Der Showdown auf der Kathedrale ist unerreicht, Tim Burton hat einfach das Auge für surreale Stimmung. Andererseits erinnern wir uns natürlich, auch noch wohin zuviel Comic führt. Was Arnold S. und Alicia S. da einst ablieferten, war ja mehr im Stil der 60er TV-Serie.
Der klatschende Joker dürfte die Szene sein, die sich ins Gedächtnis einbrennt…







